Tenebrias

~ Ein Spiegel für den Winter meiner Seele ~

Archiv für September 2008

Isidor

Verfasst von Tenebrias am 25.09.2008 - 10:41

Für den eiligen Leser

  • Einordnung: Seraph in der Gefolgschaft Tyraels
  • Beinamen: Die Eherne Stirn, der Stählerne, der Wille zur Wehr
  • Wahlspruch:
  • Opfergaben: Waffen, Drachenschuppen, ein Zehnt des eigenen Blutes
  • Symbole: Zwei gekreuzte Schwerter, oft auch ein Drachenschädel oder der Pfotenabdruck eines Drachen, bisweilen ein Schwert vor einem Schild
  • Status: Aktiv

Beschreibung

Der Stählerne, der Wille zur Wehr, bereit zu Kampf und Abwehr, so zeigt sich Isidor als das Urbild des streitenden Seraphs. Er ist der Vorkämpfer Tyraels, die Hand, die das Schwert des Lichteinen führt und zerschmettert, was die Schöpfung vergiftet. Zugleich ist Isidor damit der Schutzpatron aller Paladine, die seinem Ideal nachfolgen, als die Klinge des Glaubens, die das Recht zu verteidigen weiß.

Isidor war der Dritte der Seraphim nach Gorath und Elimnel, die sich Tyrael anschlossen, aber schon vorher bekämpfte er die pervertierten, zu Dämonen verformten Kinder des Lichts. Tatsächlich wird gern behauptet, dass Isidor der erste Seraph gewesen sei, der überhaupt zur Waffe griff, um das wuchende Übel zu bekämpfen – in Anbetracht der Tatsache, dass er zum Kreis der ersten Acht gezählt wird, liegt solch eine Betrachtung nahe.

Die ihm zugeordnete Tugend ist die Tapferkeit und da die eherne Stirn recht häufig erscheint um Kämpfern für das Licht beizustehen – sei es indem er einen ermüdeten Willen stärkt oder lahme Glieder kräftigt, sei es indem er seinen Schutzbefohlenen Waffe und Wehr aus reinem Licht in die Hand gibt – zählt er ohne Zweifel zu den beliebtesten und am meisten angerufenen Lichtgeborenen.

Nicht alle seine selbsterklärten Anhänger sind jedoch in der Lage die Implikation der Tapferkeit voll und ganz mitzutragen, denn sie beschreibt die Fähigkeit einen gewählten Weg nicht allein gegen Hass, sondern auch gegen die Liebe zu verteidigen. Nicht ohne Grund erscheint er nicht nur in der klassischen Gestalt des lichtdurchfluteten Recken mit Waffe, Wehr und weitgespannten Schwingen, sondern gern auch als weisser Drache, der daran gemahnt, dass der Waffendienst für Tyrael eine Aufgabe ist, die mehr verlangt als nur Waffenkunst. So oder so präsentiert sich der Lichtgeborene im Rahmen seiner Geschwister als Jener, der neben Elimnel am Deutlichsten für die Reinheit eines beschrittenen Weges eintritt und dies sogar noch über einen Erfolg ordnet.

Isidor gilt als der Schöpfer der hochheiligen Roben und Schilde, die als Geschenk an die Sterblichen nach dem Diablokreuzzug vergeben – eine Ehre, die gern auch Alathor zugesprochen wird.

Eine Botin Isidors, so heisst es, trägt den Namen Melainthea.

Geschichte

Isidor ist nicht nur einer der meist angerufenen, sondern auch einer der mit den meisten Geschichten umgebene Seraphim. Kein Wunder – die Gestalt des trutzigen Ritters spornte die Fantasie schon oft an und so vermischen sich auch bei keinem anderen Lichtgeborenen derart stark Märchen und Wirklichkeit. Dabei fällt auf, dass es nur sehr wenige wirklich bestätigte Berichte gibt, in denen der Wille zur Wehr zur Waffe griff, die noch bekannteste Geschichte beschreibt den Kampf zwischen Isidor und Thaumael um das Amt des Marschalls der himmlischen Scharen..

Geheimnisse

Isidor ist untrennbar mit seinen Prinzipien verbunden, der Beiname „Die Eherne Stirn“ deutet nicht allein auf Durchhaltevermögen, sondern auch Starrsinn und Unflexibilität hin. Ohne Zweifel einer der machtvollsten Seraphim, fehlt Isidor die Finesse seine Fähigkeiten über eine direkte Konfrontation zu gebrauchen. Der Lichtgeborene ist direkt und gerade aus, umso mehr missbilligt er die gewundenen Pfade Ubiraths, dessen Machenschaften er nur zähneknirschend duldet – gehorsam darauf wartend, dass der Weber es einmal zu weit treibt und damit Tyraels Gunst verliert. Kaum verwunderlich, dass Der Wille zur Wehr auch die Kunst der Magie misstrauisch beäugt und die flexible Moral der meisten Zauberer verurteilt – ihm sind die aufrechten und gehorsamen Paladine als kleine Spiegelbilder des eigenen Selbst sehr viel lieber.

Der Ehrgeiz Isidors wird durch Gehorsam und Pflichtgefühl bezähmt, aber er zögert nicht nach ihm zugänglichen Auszeichnungen zu greifen und ist gern bereit eine Herausforderung als persönliche Beleidigung zu betrachten. Der Kampf um die Würde des Marschalls zwischen ihm und Thaumael hinterließ denn auch einen Riss in der Beziehung der beiden Seraphim.

Im zweiten Kampf gegen Thaumael um das Schicksal Arachnans zerbrach sein Leibschwert Sanaveh zum zweiten Mal, brachte die Erfüllung der Prophezeiung vom Weltenwandel einen Schritt näher. Isidor war es schliesslich auch, der das Urteil Elimnels vollstreckte und die Klinge ihrer Kraft beraubte.

Melainthea, die gern als Botin Isidors genannt wurde, entstammt tatsächlich der abgeschlagenen linken Hand des Stählernen: Ein Opfer im zweiten Kampf gegen Thaumael. Die Beziehung zu ihr ist ambivalent: Isidor betrachtete Melainthea stets als sein Geschöpf, seine Schülerin und ihr Ungehorsam traf ihn besonders tief. Verantwortlich dafür machte er wiederum Ubirath.

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Gorath

Verfasst von Tenebrias am 25.09.2008 - 08:59

Für den eiligen Leser

  • Einordnung: Seraph in der Gefolgschaft Tyraels
  • Beinamen: Der Bote Tyraels, selten auch: Der Phoenix
  • Wahlspruch: „Wer ist, der sieht.“
  • Opfergaben: Keine. Gorath verspricht man eine aufopferungsvolle Tat
  • Symbole: Ein zerbrochenes Rad, selten eine Flamme oder ein Phoenix, neuzeitlich auch ein Dolch
  • Status: In den Dolch der Reinheit gebannt

Beschreibung

Gorath, von dem es heisst, dass er vor Visael die Pflichten des Gesandten Tyraels trug, wird gewöhnlich dem Kreis der ersten Acht zugeordnet. Wo seine Geschwister sich gern in den verschiedensten beeindruckenden Gestalten zeigen, zog Gorath es vor relativ schlicht zu erscheinen: Die meisten Berichte zeichnen das Bild einer nahezu menschlichen Gestalt, deren Haare flammengleich züngeln, mit Augen, in denen ein ewiges Feuer brennt. Es ist nicht verwunderlich, dass es auch einige wenige Überlieferungen gibt, die in ihm den brennenden Phoenix wiederzuerkennen glauben, der sich aus seiner Asche zu neuer Kraft erhebt.

Dazu passt durchaus, dass Gorath die Tugend der Opferbereitschaft zugesprochen wird, gleichzeitig heisst es gern, dass er überhaupt der erste Seraph war, der sich Tyrael anschloss – seltene Quellen weisen diese Ehre auch einer Entität namens Miridur zu.
Entsprechend wurde Gorath gern angerufen, um ein schmerzhaftes, Überwindung forderndes Werk zu unterstützen, seine Präsenz soll den Zaudernden gestärkt und dem Wankelmütigen Halt gegeben haben. Daraus resultiert eine gewisse Ambivalenz: Während die Fähigkeit sich selbst zu überwinden grundsätzlich hoch gelobt und gepriesen wird, scheuten viele Geweihte Tyraels doch davor zurück den Beistand Gorath für andere als die aussichtslosesten Unternehmungen zu erbitten.

Über die Interpretation des Wahlspruchs des Seraphs gehen die Meinungen weit auseinander, bisweilen wird eine Verbindung zu Ubirath gezogen, dem gleichsam die Gabe des Sehens zugesprochen wird, oft wird einfach darauf hingewiesen, dass sich nach Goraths Sicht allein aus der Vorhandensein von Leben und freiem Willen bereits Pflichten ergeben.

Gorath betonte gern die Kraft Tyraels als Sehender, als Allein Ahnender, der die Schleier von Intrige und Lüge ebenso durchdringt, wie die von Vergessen und Vergehen und zu diesem Zwecke wird er auch heute noch bisweilen angerufen.

Geschichte

Der Lichtgeborene selbst gab allen Dienern Tyraels ein Musterbeispiel seiner Tugenden: Er opferte sich im Kampf gegen dämonische Horden um das Leben des zweiten sterblichen Boten Tyraels, Ahren Raskirson, zu bewahren – und wurde durch Tyrael im „Dolch der Reinheit“ vor der Vernichtung bewahrt. Das vakante Amt des Gesandten fand sich alsbald durch Visael neu besetzt.

Geheimnisse

Goraths Geist und Kraft gingen mit seinem scheinbaren Tod nicht verloren, sondern wurden in den „Dolch der Reinheit“ gebunden und daraufhin dem damaligen Paladin des Mondes Torian Treneus zur Wacht übergeben.
Im Geschehen um Glamaels Heilung spielte dieser Dolch die entscheidende Rolle und offenbarte dabei, dass das scheinbare Gefängnis keine echte Grenze für Gorath darstellte.

Nichtsdestotrotz kehrte der Seraph anschließend zurück in das Metall.. vielleicht um geduldig auf den nächsten Einsatz als unerwarteter „Joker“ zu harren.

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Melainthea

Verfasst von Tenebrias am 24.09.2008 - 12:17

Für den eiligen Leser

  • Einordnung: Seraph, wird Tyrael zugeschrieben
  • Beinamen: Die stählerne Schwinge
  • Wahlspruch: „Ein durch den falschen Weg erreichter Sieg ist ohne Wert.“
  • Opfergaben: /
  • Symbole: Ein zum Halbkreis geformter Flügel, bisweilen eine Hand, selten eine Hand, deren Finger in Schwertspitzen auslaufen

Beschreibung

Melainthea, die als Botin oder Gesandte Isidors galt, bisweilen sogar als Hand und Auge der Ehernen Stirn bezeichnet wurde, erschien für gewöhnlich in nahezu menschlicher Gestalt, als schwingenbewehrte Kriegerin in einer gleißenden Wehr aus Sternensilber. Wenngleich als Hauptwaffe zumeist das Drachenschwert Ssintuar genannt wurde, resultierte der Beiname „Die stählerne Schwinge“ aus dem eigentümlichen Kampfstil der Lichtgeborenen, welche die Flügel sowohl für blitzartige Angriffe als auch Paraden zu gebrauchen wußte.

Es ist bekannt, dass Melainthea sich gern einmal verborgen unter die Sterblichem mischte und zu diesem Zwecke die Gestalt einer silberhaarigen Frau mit kobaltblauen Augen annahm, die sich selbst als „Vevile Silberhaar“ bezeichnete – ob dieser Name einen Ursprung hat oder einfach zufällig gewählt wurde ist unbekannt, wenngleich bisweilen spekuliert wird, dass es sich dabei um den Geburtsnamen einer zu Tyrael gefahrenen Paladin handelt.

Ssintaur, die aus Sternensilber geformte Klinge Melaintheas stammt dem Vernehmen nach nicht aus der Schmiede Alathors, sondern soll dem Karfunkelstein eines Drachen entwachsen sein.

Geschichte

Wie Isidor auch folgte Melainthea dem gerade Pfad der Aufrichtigkeit, verabscheute Lügen und Täuschungen ebenso wie Arglist. Während es nur sehr wenige alte Beschreibungen über ihr Wirken als Botin Isidors gibt, entstammen der Gegenwart eine ganze Anzahl von Begegnungen.

Gut ein halbes Jahr vor der Rückkehr Diablos warnte Melainthea die Waldelfe Celywiel vor einem heraufziehendem großen Übel und einer weiteren Runde im ewigen Spiel der Götter. Ernst genommen wurden diese Warnungen durch die geweihten Diener Tyraels jedoch nur teilweise – unklar blieb zu diesem Zeitpunkt, warum die Lichtgeborene sich nicht direkt an die Diener ihres Herren wandte.

Gut drei Monate vor der Rückkehr Diablos erschien Melainthea dem damaligen Knappen Lionel Caelant auf dem Schwertacker zu Britain. Dort strafte sie auch Kolon, einen der letzten Diener Diablos durch den Verlust seiner rechten Hand. Angesichts der bereits Monate zuvor gesprochenen Warnung und in Hinblick auf die damals noch zukünftigen Ereignisse lassen die Worte: „Diablo ist verbannt und wird nie mehr zurückkehren. Hat sich je eine Seele gefragt, warum Tyrael noch hier ist?“ ein breites Spektrum an Spekulation über die tatsächliche Aussage zu.

Unmittelbar vor der Rückkehr Diablos versammelte Melainthea die Streiter des Lichts zu einem Angriff auf eines der beiden Weltentore. Die Zerstörung gelang, die Rückkehr des Herren der Schreckens konnte jedoch nicht verhindert werden – womit sämtliche Bemühungen Melaintheas letztlich als gescheitert betrachtet werden müssen.

Die weitere Geschichte der Lichtgeborenen ist verwirrend: Während der Kämpfe gegen dämonische Horden in Serpents Hold wurde eine Frau, auf die die Beschreibung Vevile Silberhaars passt durch einen Balron erschlagen, später wurde eben jene Vevile bisweilen in Britain mit einem Kinde gehend gesehen. Seit nunmehr einem Jahr gibt es keinerlei neue Berichte über ein Auftreten der Lichtgeborenen, weder als Seraph, noch in ihrer menschlichen Identität als Vevile.

Geheimnisse

Jene Beschreibungen Melaintheas, die von ihr als „Hand Isidors“ sprechen, sind der Wahrheit damit näher, als die Schreiber ahnen: Tatsächlich entstand diese Lichtgeborene während eines Zweikampfes zwischen Thaumael und Isidor vor dem Hintergrund der Verurteilung Arachnan-Lathanaels, als die kaltlodernde Klinge Iblamir die linke Hand der Ehernen Stirn abschlug. Die verlorene Gliedmaße, beseelt von der Kraft des Seraphs, erwachte zu eigenständiger Existenz und nannte sich Melainthea. Ubirath warnte davor, dass eine auf diese Weise vollzogene Entstehung Fehler zurücklassen würde, die früher oder später offenbar werden mussten, aber Isidor entschied sich seine verselbstständigte linke Hand zu behüten. Es ist verständlich, dass diese neue Lichtgeborene dem Pfad ihren Mentors nacheiferte und die erste Zeit versah sie ihre Pflichten auch ohne jeden Makel.

Der erste Bruch zeigte sich, als Melainthea in eigener Initiative ein Verbot Isidors umging und eine verschlüsselte Warnung an die Elfe Celywiel richtete, die Offenbarung gegenüber dem Paladinknappen Lionel Caelant erfolgte in gleicher Weise: Auf der schmalen Kante eines Gebotes tanzend, dem sie in Worten folgte, um es im Sinn zu brechen.

Der Knappe Malagen Datara erhielt ein verschlungenes Siegel und während seiner Paladinweihe überbrachte die Lichtgeborene erstmals die Prophezeiung des Weltenwandels, die später von Thaumael weiterverbreitet werden sollte.

Natürlich ahnte die Seraph, das sie mit diesem Verhalten den Zorn ihrer unsterblichen Geschwister erwecken musste, aber die Liebe zur gebeutelten Menschheit überwog das Vertrauen in die weitreichenden Pläne Tyraels. Schliesslich opponierte Melainthea ganz offen, sammelte lichte Streiter um durch deren Einsatz die erwartete Rückkehr Diablos zu verhindern – und es war ausgerechnet der letzte Rest zögernder Zurückhaltung, der dieses Unternehmen schliesslich scheitern ließ. Nicht bereit jeden Weg für ein Ziel zu beschreiten und durch Ubirath abgelenkt, verpasste Melainthea den richtigen Moment – und das Weltentor öffnete sich.

Die Lichtgeborene floh, zutiefst enttäuscht von ihren Geschwistern, die es Diablo einfach erlaubten zurückzukehren und fand Beistand bei einer Splittergruppe des Arachnanglaubens, die sich die Erinnerung an die Unterweisungen Thaumaels bewahrt hatte. Die Lehren Lathanaels, die vor der Entstehung der Seraph verkündet worden waren, brachten sie schliesslich dazu das Ungeheuerliche zu wagen: Im Bewußtsein der Tatsache, dass die Strafe kommen würde, wandte Melainthea sich schliesslich nach Britain, bereit dort vor den Ohren des Patriarchen Duranges die verborgenen Geheimnisse der Seraphim offenzulegen. Nicht in der Absicht völliger Aufopferung: Es existierte ein Hintertürchen, das sie auf dem Weg angelegt hatte: Der größte Teil ihrer Essenz, des wahren Kerns der einst abgeschlagenen Hand Isidors, hatte in dem ehemaligen Schreiber Wallmir Montered einen neuen Anker gefunden – das dieser völlig überwältigt sofort den Verstand verlor, bekümmerte die zornige Lichtgeborene nicht.

Im Tollhaus von Britain fanden dann zwei Wahnsinnige zusammen wie Schlüssel und Schloss: Die sterbliche Hülle Thaumaels, der aller Kraft entkleidet worden war.. und Wallmir Montered, der nur noch eine Hülle für überschäumende Kraft bildete.

In der Festung der Ordensritterschaft Tyraels kam es schliesslich zur Konfrontation zwischen Melainthea und Isidor, ohne großes Drumherum verkündete Letzterer seinen Richtspruch: „Wenn du die Menschen so sehr liebst, dann sollst du einer von Ihnen sein.“

Wie Isidor es früher schon bei Thaumael getan hatte, nahm er seiner widerspenstigen Hand alle überirdische Kraft – und stellte dabei fest, dass er damit eine Verbindung zerschnitten hatte, die ihn zu der eigentlichen Essenz geführt hätte. Melaintheas eigentliche Seele blieb verborgen, geschützt vor dem Zugriff der Ehernen Stirn.

Davon wußte die nun Sterbliche jedoch nichts: Vevile Silberhaar war tatsächlich zu einem Menschen geworden, bar nahezu aller Erinnerungen, die sie einmal getragen hatte und so lebensfähig wie ein Säugling. Es brauchte Monate, bis sie gelernt hatte mit den Beschränktheiten eines sterblichen Leibes zurechtzukommen – in Serpents Hold sollte sie schliesslich lernen, dass Isidors Richtspruch sich durch solche Kleinigkeiten wie dem Tod des Fleisches nicht umgehen ließ: Vevile starb unter der Klinge eines Balrons, nur um später erneut zu erwachen, als die furchtbaren Wunden sich geschlossen hatten.

Währenddessen füllte ihre Essenz langsam das geleerte Gefäß Thaumael, bis dieser die angelegten Ketten abstreifte.

Die kommenden Monde nährten den mal offen, mal verborgen getragenen Groll, dass Paladin Malagen Datara sie schliesslich verführte und schwängerte brachte keine Besserung, denn alles in Allem blieb Vevile unfähig sich positive menschliche Emotionen anzueignen. Schliesslich machte sie Malagen ein höchst gefährliches Angebot: Sie würde ihn das lehren, was sie noch über das verbotene Elointar wußte – jene sagenhafte Sprache der Seraphim, deren Weitergabe durch Tyrael ausdrücklich untersagt worden war.
Vevile warnte Malagen davor, dass seine Zustimmung zu Lernen nicht minder ein Regelbruch wäre – der Paladin entschied dennoch, dass der Nutzen überwiegen würde.
Die Unterweisung geriet jedoch zur Katastrophe: Bei Malagens Versuch Melaintheas wahren Namen in Elointar zu formen, brach das hochschwangere Silberhaar zusammen, so rasch verlöschend, wie der letzte Schnee unter dem Kuss der Frühlingssonne. Visael selbst offenbarte Malagen, dass er die Frau oder das Kind würde retten können, nicht jedoch Beide.

Verzweifelt entschied der Paladin sich für das Kind – und schnitt den Säugling aus dem sterbenden Leib seiner Geliebten.

Diese Szenerie fand Thaumael vor, der durch den Wahren Namen Melaintheas tatsächlich gerufen worden war .. und damit erstmals erkannte woher die ihm innewohnende Kraft stammte. Er nahm die Leiche Veviles schliesslich mit sich im sicheren Wissen, dass sie wieder zu Leben erwachen würde und die von Visael überbrachte Wahl nicht ganz ehrlich gewesen war.

Zugleich markierte dieses Ereignis einen Wendepunkt für Thaumael: Bestückt mit dem Wissen über die Herkunft seiner Kraft, begann die Essenz Melaintheas mehr und mehr zu dominieren, bis sie alles, was der gefallene Seraph gewesen war, auslöschte und nur die zornige Entität der enttäuschten Lichtgeborenen zurückließ.

In der Festung der Ordensritterschaft kam es dann zur letzten Konfrontation: Melainthea, die die Hülle Thaumaels zurückgelassen und in ihren eigenen Leib zurückgekehrt war, forderte Malagen auf ihr zu folgen, als dieser sich verweigerte, attackierte sie den Wehrlosen mit Iblamir. Die Kaltlodernde versagte ihren Dienst bei diesem Mordversuch und entschwand. Gestärkt durch den Segen seiner Gefährten und gewappnet mit seiner eigenen Klinge gelang es Malagen Melainthea zu verwunden und damit einen Prozess auszulösen, der schliesslich zur Heimkehr der Lichtgeborenen zu ihren Geschwistern führte.

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Thaumael

Verfasst von Tenebrias am 24.09.2008 - 10:18

Für den eiligen Leser

  • Einordnung: Seraph, wird gewöhnlich der Gefolgschaft Arachnans zugeschrieben
  • Beinamen: Die Klinge, selten auch als Selaindur gerufen
  • Wahlspruch: /
  • Opfergaben: /
  • Symbole: Eine brennende Klinge vor einem geflügelten Helm, manchmal nur der Helm

Beschreibung

Thaumael, das ist der Name des Seraphim, von dem es heisst, dass er einst als zweite Klinge neben Isidor an der Seite des Lichteinen stand und öfter noch als der Arachnan wird er erwähnt, um mahnend auf die Gerechtigkeit und die unfehlbaren Richtsprüche Tyraels zu verweisen – der gefallene Seraph dient als Beispiel für Jene, die sich widersetzen. Während ältere Beschreibungen die klassische Engelgestalt aus strahlender Helligkeit zeichnen, deren Schwingen in rotem Feuer brennen und sich mit dem Glanz der glühenden Waffe Iblamir verbinden, sind die heute beschworenen Bilder profaner: Gänzlich menschlich mutet die Gestalt an, formt einen durchschnittlich erscheinenden Recken, dessen einzig herausstellendes Merkmal die Dunkelheit ist: Nicht allein Schopfhaar, Vollbart und Augen sind rabenschwarz, die Haut selbst erscheint als wäre sie aus einem Schatten hervorgegangen.

Iblamir, die aus Sternensilber geformte Schwesterklinge Sanavehs wird ambivalent beschrieben: Zuweilen als eine erstarrte rot-orange Flamme, selten aber auch als ein Werkzeug, das die Wandlung seines Herren mitgemacht hat und sich in düstere Kohleglut hüllt.

Geschichte

Die Geschichte weiss zu berichten, dass es sich bei Thaumael um einen der jüngeren Lichtgeborenen handelt, bisweilen wird sogar behauptet, dass er aus der erleuchteten Seele eines Paladins namens Darius Dertreius hervorgegangen wäre, die der Ehernen Stirn zu Lebzeiten so viel Freude bereitet hätte, dass er sie schliesslich zu einem Waffengefährten machte. Thaumael, so heisst es weiter, wählte sich die Ehre als Tugend und ergänzte damit die kompromisslose Tapferkeit Isidors, bis zu jenem Tag, an dem die Eherne Stirn nach der Würde des Vorkämpfers Tyraels griff.


„Auch Isidor hat schon Kämpfe verloren, Durias. Niemand, außer Tyrael, dem Herren, ist davor gefeiht. Du musst wissen, dass Isidor einst, als er Vorkämpfer und Erster Streiter Tyraels werden wollte, mit Thaumael darum stritt. Thaumael, der nicht zu den Ersten Acht gehörte, war der Einzige, der Isidor herausforderte – er hatte sich die Ehre gewählt und die Ehre brachte ihn dazu einen Kampf zu fechten, von dem er selbst nicht glaubte, gewinnen zu können. Verstehst du den Unterschied, zwischen Isidor und Thaumael? Sie beide kämpfen, aber ihre Gründe sind unterschiedlich. Aber keinen von ihnen ist bereit alles für den Sieg zu opfern. Nun, Isidor und Thaumael trugen beide Engelsschwerter, die ihnen Alathor gefertigt hatte: Sanaveh, „Die Himmelsglühende“ war Isidors Besitz, Iblamir „Die Kaltlodernde“ führte Thaumael. Den ersten Kampf entschied die Eherne Stirn für sich, den zweiten dagegen sein Herausforderer. Schließlich obsiegte Isidor im dritten Kampf, aber dabei zerbrachen die beiden Schwesterklingen zum ersten Mal.“

Es gibt keine Belege dafür, dass sich die Beziehung der beiden Lichtgeborenen danach verschlechtert hätte, dennoch wird Thaumaels Herausforderung gern als ungebührlich verstanden und seine spätere Pflicht als Jäger und Kämpfer gegen Abtrünnige als Bestrafung interpretiert. Während als gewiss gilt, dass Die Klinge ausgesandt wurde um Cobija zu bestrafen und immerhin noch vermutet werden kann, dass er gegen den Höllenfürsten Zhurem’dath stritt, ist die Geschichte, dass er es war, der Arachnan vor den Engelsrat brachte, wohl nicht mehr als ein Märchen.

Nach dessen Verbannung war es lange Zeit ruhig um Thaumael, das erste Mal trat er wieder in Erscheinung, um die Lehren Arachnan-Lathanaels zu verbreiten und dunkle Paladine zu berufen. Ganz gemäß seiner selbstgesteckten Ideale forderte „Die Klinge“ den damaligen Boten Tyraels, Uther, zum Zweikampf – und verlor dieses Duell, um die Schlacht zu gewinnen: Nicht viel später verriet Uther seinen strahlenden Herren, um das Knie vor dem Dunklen Engel zu beugen.

Ob Thaumael lange Jahre brauchte, um sich von diesem Kampf zu erholen, oder ob er anderweitig gebunden war, ist nicht bekannt – jedenfalls vollzog sich das weitere Schicksal der Anhänger Arachnans ohne sein Eingreifen und es brauchte lange Zeit, bis Thaumael wieder in Erscheinung trat. Aus irgendeinem Grund ignorierte er den Kult des dunklen Engels weitgehend und brachte stattdessen die Prophezeiung des Zeitenwechsels immer wieder zu Gehör. Seit einige Zeit befindet sich sein Schwert Iblamir in den Händen der Ordensritterin Liliana Kai’rish – wie Thaumael dazu steht, ist ebenso wie sein Verbleib unbekannt.

Geheimnisse

Tatsächlich geht die Geburt Thaumaels als Lichtgeborener auf das Wirken Lathanaels zurück, der den Kern des neuen Wesens aus der Seele des Paladins Darius Dertreius und den Fragmenten eines zerstörten Seraphen erschuf – sowohl die Kaltlodernde Iblamir, als auch die Himmelsglühende Sanaveh entspringen weiteren, durch Alathor überarbeiteten Trümmern einer zerschmetterten Seele.

Thaumael betrachte Lathanael stets als Mentor und Lehrer, umso tiefer war sein Schrecken, als der Freund nach der Begegnung mit den drei Übeln dem Wahnsinn verfiel und durch den Spruch des Engelsrates verurteilt wurde. Thaumael forderte eine Entscheidung durch einen Zweikampf darüber, was mit Lathanael, der sich nun Arachnan nannte, geschehen sollte und trat Isidor damit zum zweiten Mal gegenüber. Diesmal gab es nur eine einzige Runde: Thaumael gelang es die linke Hand der Ehernen Stirn abzuschlagen – aus ihr formte sich Melainthea – aber als die beiden Schwesterschwerter zum zweiten Mal brachen, gewann Isidor die Oberhand.
Arachnan-Lathanael wurde seiner Macht beraubt und durch die Steine der Verdammnis gebunden.

Lange Zeit hielt Thaumael sich darauf im Hintergrund, hadernd mit dem Schicksal seines Freundes, aber dennoch nicht bereit sich dem Schiedspruch des Rates zu widersetzen. Kurioserweise war es ausgerechnet die Verbannung Diablos, die ihn davon überzeugte einen neuen Weg zu gehen: Im Vergleich zu der Strafe, die Lathanael getroffen hatte, war diese auf Zeit ausgelegte Fortweisung nicht akzeptabel. Also begann er damit im Geheimen Jünger um sich zu scharren, forderte Uther zum Kampf – und verlor tatsächlich. Auch wenn es ihm auf diese Weise gelang den Boten Tyraels von seinen Absichten zu überzeugen, blieb diese Herausforderung nicht ungesühnt: Isidor sandte seine linke Hand, Melainthea, aber Thaumael schlug ihre Warnungen in den Wind. Also stieg die Eherne Stirn selbst herab und beraubte die Klinge ihrer Kraft, nichts als einen nahezu sterblichen Leib zurücklassen, in dem nur wahnsinnige Leere herrschte. Es kann als Ironie betrachtet werden, dass der wahrhaft unsterbliche Teil des Lichtgeborenen in die Kaltlodernde gesperrt wurde – auf gewisse Weise war der Beiname damit zur einzigen verbliebenen Wirklichkeit geworden.

Der eben erst ins Leben gerufene Kult des Dunklen Engels wurde durch die Lichtgeborenen ignoriert – aber andere Mächte erkannten ihre Chance und füllten die Lücke zu ihrem Vorteil aus.

Viele Jahre verbrachte Thaumael im Irrenhaus von Britain, seine Zeit damit verbringend endlos nachglimmende Zeichen an die kahlen Wände zu schreiben, bis die versteckte Essenz Melaintheas, gebunden an den ehemaligen Schreiber Wallmir Montered zu ihm gelangte. Thaumael nahm die verströmende Kraft auf und wuchs damit wieder zum Lichtgeborenen, aber die Ära seines eigentlichen Wirkens war nur kurz: Mit der Zeit dominierte die Essenz Melaintheas mehr und mehr, bis sie schliesslich den Vordergrund erstickte – was Thaumael gewesen war in diesem gestraften Leib, verblasste. Schliesslich legte Melainthea die Hülle des dunklen Seraphs ab und kehrte zurück in den Leib Vevile Silberhaars – um in der Festung der Ordensritterschaft Tyraels ihrem Schicksal zu begegnen.

Während all dieser Zeit blieb die wahre Essenz Thaumaels gefesselt in der flammenden Klinge, fähig zu beobachten, aber ohne die Möglichkeit in irgendeiner Art zu agieren. Es brauchte die Konfrontation mit einem alten Feind, um eine Bresche in das wohlgefügte Gefängnis zu schlagen, eine Lücke, an deren Vergrößerung der ehemalige Seraph seitdem arbeitet…

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